Thema der Woche

Zuckersucht

Süsses mag fast jeder von uns. Doch nicht jeder weiss, dass Zucker nicht nur Übergewicht fördert, sondern auch ähnlich wie Kokain süchtig machen kann.

Ja, Zucker kann zu einer Droge werden – wenn auch nicht offiziell. Schliesslich haben Lebensmittelpackungen keinen Warnhinweis “Zucker macht abhängig”. Aber ganz ehrlich, wer immer “nur noch ein Stückchen” Süssigkeit braucht, kann schon als davon abhängig gelten. Machen Süssigkeiten wirklich glücklich? Vielleicht. Doch nur kurzfristig. Wenn man immer wieder heimlich nascht und Süssigkeiten bunkert, wird man früher oder später an Übergewicht, Heisshungerattacken, chronischer Müdigkeit, Kopfschmerzen, unreiner Haut, Akne, Diabetes, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Depressionen und Nährstoffmangel leiden.

Wieso kommt es zu einer Zuckersucht? Prof. Falk Kiefer von der Universität Heidelberg hat mit dem Magnetresonanztomografen (MRT) übergewichtigen Menschen ins Gehirn geschaut und festgestellt, dass Zucker (und somit zuckerhaltige Produkte) das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren, so dass das Gehirn vermehrt Dopamin (eine Art Glückshormon) ausschüttet – ähnlich wie zum Beispiel bei Alkohol. So lösen zuckerhaltige Lebensmittel ein suchtähnliches Verhalten im Gehirn aus. Verzichtet der/die Betroffene auf Zucker, so kann es zu den klassischen Entzugserscheinungen wie Müdigkeit, übler Laune, Reizbarkeit oder depressiver Verstimmung kommen. Doch auch positive Symptome lassen nach Zuckerverzicht nicht lange auf sich warten: man fühlt sich fitter und besser, ausgeglichener und leistungsbereiter und sogar der Geschmackssinn wird sensibler. Man freut sich über Energie und einen erholsamen Schlaf, überschüssige Kilos purzeln, das Hautbild verbessert sich und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes sinkt.

Hier sind wirksame Tipps, wie Sie Ihre Zuckersucht bekämpfen können.

  • Eliminieren Sie alle Zuckerquellen in Ihrem Haus, denn was man nicht zuhause hat, das kann auch nicht gegessen werden.

  • Greifen Sie zu Lebensmitteltracking: Schreiben Sie alles was Sie essen in ein Ernährungstagebuch auf. So haben Sie immer vor Augen, wie viel Zucker Sie (auch in verschiedenen Lebensmitteln) verzehren.

  • Beachten Sie, dass Zucker in vielen Lebensmitteln versteckt ist. Checken Sie immer die Inhaltsstoffe beim Einkaufen. Ketchup und ähnliche Würzsaucen, Brot, Joghurt, Toast, Müsli, Konservengemüse, Fleischwurst und allerlei Fertiggerichte enthalten Zucker, der dort völlig unbemerkt steckt. Zucker verbirgt sich auch hinter Begriffen wie Saccharose, Laktose, Dextrose, Fructose, Maltose, Süssmolkepulver und Mais- oder Stärkesirup.

  • Vermeiden Sie Stress. Stress verursacht hormonelle Veränderungen und fördert einen erhöhten Cortisolspiegel. Somit steigt Appetit auf “nervenberuhigende” süsse Lebensmittel. Greifen Sie zu Entspannungsübungen statt zu einer Schokotafel.

  • Schlafen Sie ausreichend, sonst wird das Hunger-Hormon Ghrelin verstärkt ausgeschüttet. Somit wird auch Heisshunger auf Zucker und Kohlenhydrate als schnellste Energielieferanten steigen. Ein ausreichender Schlaf fördert die Ausschüttung des Sättigungshormons Leptin. Es ist empfehlenswert, im Durchschnitt sieben bis acht Stunden zu schlafen.

  • Obst und Gemüse sind Nährstoff-Booster gegen Zuckersucht. Während der Zuckerentwöhnung ist es besonders wichtig, viel Gemüse und Obst zu sich zu nehmen. Sie versorgen Ihren Körper mit Nährstoffen, die ein übermässiger Zuckerkonsum stiehlt.

  • Achten Sie auf eine ausreichende Eiweissversorgung. Eiweiss wird langsam verdaut und wirkt langanhaltend sättigend. Manche Eiweisse enthalten daneben Tryptophan und Tyrosin, die an Serotonin- und Dopamin-Bildung beteiligt sind.

  • Greifen Sie beim Heisshunger auf Süsses zu einem zuckerfreien Kaugummi. Er dämpft Heisshunger und hilft, Geschmacksnerven zu neutralisieren.

  • Vermeiden Sie lange Pausen zwischen den Mahlzeiten, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Sonst fördert Ihr Körper Energie in Form von Zucker. Am besten hat man drei grosse und zwei kleine Mahlzeiten pro Tag.

  • Es gibt gesunde Zucker-Alternativen: Bitterschokolade (mind. 70% Kakaoanteil), Datteln, Trockenfrüchte, Honig, Stevia, Birkenzucker, frische Früchte, Mandelmus oder Erdnussbutter.

  • Einige Gewürze wie Zimt, Vanille, Ingwer und Kurkuma können Heisshunger bremsen oder Ihren Speisen und Getränken eine angenehme und harmlose Süsse schenken.

  • Trinken Sie viel Wasser und ungesüsste Tees, um Hunger mit Durst nicht zu verwechseln. Sie können zum Beispiel immer ein grosses Glas Wasser vor dem Essen trinken.

  • Integrieren Sie ausreichend Bewegung und Sport in Ihren Alltag, um Glücksgefühle freizusetzen, die man sonst mit Zucker bekommt.

  • Geniessen Sie das Leben, treffen Sie Freunde und finden Sie neue Hobbys, um Langeweile zu bekämpfen und nicht nur mit dem Essen Ihr Leben zu versüssen.

Mit diesen Tipps und Tricks haben Sie gute Chancen, die Zuckersucht in Griff zu bekommen und einen grossen Schritt für Ihre Gesundheit zu schaffen!

Fakten zum Thema

  1. Laut Statistik, leidet jeder Zweite an einer Zuckersucht.
  2. Ein hoher Zuckerkonsum fördert koronare Herzerkrankungen, besonders wenn man daneben auch schlechte Fette verzehrt.
  3. 75 Prozent der Produkte aus dem Lebensmittelhandel sind süsser als sie sein müssten.
  4. Wissenschaftler des „Oregon Research Institute“ fanden heraus, dass das sogenannte DRD2-Gen, welches auch für das Suchtrisiko beim Alkoholgenuss verantwortlich ist, auch Zuckersucht fördern kann.


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