Thema der Woche

Post-Covid-Syndrom

Es mangelt Ihnen nach überstandener Corona-Infektion an Kraft? Sie leiden unter absoluter Erschöpfung, klagen über Vergesslichkeit, Kraftlosigkeit schon bei der kleinsten Anstrengung, haben ein ständiges Schwächegefühl? Diese krankhafte Erschöpfung lässt Sie gar nicht auf die Beine kommen und fesselt Sie immer wieder ans Bett? Dann sind Sie von einem sogenannten Post-Covid-Syndrom betroffen.

Viele Menschen fühlen sich nach überstandenem Covid-19 noch viele wochen- und sogar monatelang erschöpft, während lästige Symptome der Infektion noch bestehen oder neu auftreten können. Und das gilt auch für diejenigen, die einen milden Verlauf hatten. In diesem Fall bedeutet genesen nicht unbedingt wieder gesund sein, obwohl das Virus schon lange nicht mehr nachzuweisen ist. Lang anhaltende Nervenschäden, Lungenprobleme, gestörter Geruchs- und Geschmackssinn sowie Erschöpfung sind häufige Folge-Symptome. “Was bei Covid schon früh aufgefallen ist, ist, dass viele Menschen auch nach mehreren Wochen noch über anhaltende Symptome berichtet haben. Das häufigste genannte Symptom war die Fatigue”, so Carmen Scheibenbogen, Professorin für klinische Immunologie an der Charité Berlin.

Für die Fatigue sind neben Erschöpfung auch Kopfschmerzen, Belastungsintoleranz und anhaltende Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Schlafstörungen sowie Albträume und in einigen Fällen sogar Depressionen charakteristisch. Das daher, da das Coronavirus auch das Gehirn angreifen kann. Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) entsteht nach überstandenen Infektionen und tritt immer häufiger nach Covid-19 auf. Die Beschwerden halten mehr als sechs Monate an. Dieser krankhafte, lähmende Erschöpfungszustand ist nicht mit einer Müdigkeit gleichzusetzen, wie sie auch gesunde Menschen kennen. Denn schon geringfügige Aktivitäten strengen die Betroffenen über die Massen an. Und der Körper braucht viel Zeit, um sich von den Gewebeschäden, die das Virus verursacht hat, erholen zu können. Manchmal tritt eine überschiessende Entzündungsreaktion („Zytokinsturm“) auf, da die Abwehrkräfte den Erreger (und danach auch Viren-Teilchen, die nach der akuten Phase im Organismus verbleiben) bekämpfen wollen.

Wie gehen Sie mit der postviralen Erschöpfung am besten um? Hier finden Sie wirksame Tipps.

  • Wurden Sie positiv auf Corona getestet und kämpfen Sie über Wochen gegen Beschwerden, suchen Sie bitte erneut Ihren Arzt auf. Entwickeln sich neurologische Symptome wie Probleme mit der Konzentration oder Kribbeln in den Gliedmassen, kann der Arzt Sie an eine neurologische Fachpraxis überweisen.

  • Vermeiden Sie Überlastung. Fangen Sie nicht zu früh wieder mit Sport und Berufstätigkeit an. Sonst können Sie einen Rückschlag (Rekonvaleszenzphase) bekommen. Kennen Sie Ihre Grenzen und überschreiten Sie diese nicht. Wenn nötig, teilen Sie Ihre Aktivitäten in kleine Einheiten unter und ruhen Sie zwischendurch aus.

  • Planen Sie nicht zu viele Aktivitäten nacheinander. Verteilen Sie Ihre Aktivitäten pro Tag und pro Woche im Voraus auf solche Weise, dass Sie genügend Zeit für Erholung haben.

  • Bestimmen Sie, welche Aktivitäten wichtig sind und welche einfach warten können. Suchen Sie nach einer unanstrengenden Erledigung, zum Beispiel bestellen Sie Lebensmittel online.

  • Bewegen Sie sich! Das müssen leichte körperliche Bewegungen sein, die Ihren Zustand nicht verschlechtern. Solche Bewegungen ohne Überlastung fördern die Durchblutung des ganzen Körpers und sorgen für Ihr Wohlbefinden.

  • Behalten Sie einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus trotz Müdigkeit.

  • Sorgen Sie für einen guten Vitamin-D-Spiegel im Blut. Die Doppelblindstudie des Universitätsspitals Zürich „Effect of vitamin D3 on self-perceived fatigue“ hat gezeigt, dass die Erholung durch Vitamin-D-Supplementation beschleunigt werden kann.

  • Leiden Sie unter Konzentrationsschwäche, kann ein neuropsychologisches Training oder Ergotherapie helfen.

  • Führen Sie ein Symptom-Tagebuch, um den Verlauf von schwankenden Beschwerden besser nachvollziehen zu können.

Bleiben Sie positiv: bei den meisten Betroffenen verschwindet Post-Covid-Syndrom völlig – wenn auch erst nach mehreren Wochen!

Fakten zum Thema

  1. Die Fatigue kann sogar nach einem Zeitraum von sechs bis acht Monaten bleiben und es existiert bislang keine medizinische Erklärung dafür.
  2. Diese Erschöpfung ist zwar unangenehm, doch kann für den Körper des Betroffenen nützlich sein. Dadurch wird die Energie während der Erkrankung nicht für andere Aktivitäten verbraucht.